Christian Fischer

Sonntag

28

Juli 2013

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Was ist schnell?

Veröffentlicht von , veröffentlicht unter Ausbildung

“Der Patient muss schnell raus!”

Diese Worte,  gesprochen von einem Notarzt an einer Einsatzstelle eines Verkehrsunfalls mit einklemmter Person, führen vermutlich zur leichten Erhöhung von Blutdruck und Herzfrequenz der verantwortlichen Feuerwehr-Führungskraft. Jedoch ist “schnell” kein absoluter Begriff, sondern eine rein subjektive Messgröße.

Die Gegenfrage muss daher immer sein: “Wie viele Minuten haben wir Zeit?” Erst mit dieser dann absoluten Aussage können wir als Fachleute für die technische Rettung beurteilen, welche der zahlreichen Möglichkeiten aus unserem Taktik-Bastelkasten überhaupt in diesem Zeit real umsetzbar sind. Und erst damit können wir wiederum dem Notarzt zurück spiegeln, welche Methoden der Rettung unter dieser zeitlichen Vorgabe möglich sind, damit er wiederum beurteilen kann, welche Folgen dies für die Gesundheit des Patienten haben kann.

Dafür muss die Führungskraft der Feuerwehr aber ein belastbares Wissen darüber haben, welche der verschiedenen technisch umsetzbaren Möglichkeiten welchen Zeitaufwand erfordert. Und er muss in der Lage sein, diese Zeiten gegebenenfalls mit einem Korrekturfaktor zu versehen, der sich aus der konkreten Lage ergibt.

Und jetzt schauen wir Führungskräfte uns mal ganz tief in die Augen und überlegen, ob wir wirklich jetzt sagen könnten, wie lange eine große Seitenöffnung, eine dritte Tür, das Vorklappen eines Daches, das abnehmen eines Daches, eine Fischdose, eine Auster,… dauert. Und wie lange die Stabilisierung eines Fahrzeuges im Seitenlage oder im Dachlage dauert. Dann müssen wir in die Beurteilung noch die konkrete Lage vor Ort einbeziehen, die vielleicht die eine oder andere Schwierigkeit für uns bereithält, die sie von der Übungslage im Hof am  Feuerwehrhaus unterscheidet. Und wir müssen ehrlich beurteilen können, ob die Besatzung, mit der wir im Augenblick vor der Lage stehen auch den Ausbildungsstand haben, dass die Zeiten, die wir uns bei Übungen gemerkt haben real umsetzbar sind.

Einfach mal bei der nächsten Hilfeleistungsübung die Stoppuhr laufen lassen und schauen, wie lange es dauert bis eine Tür geöffnet ist, bis sie abgenommen ist, bis 4-6 Säulen geschnitten wurden,… Wie lange es dauert, bis zweimal ein Fahrzeug in den verschiedenen Lagen stabilisiert haben. Und vielleicht vorher mal für sich selber aufschreiben, was man selbst an Zeitansätzen erwarten würde. Zwischen Erwartung und  Realität sind selbst im Rahmen des Ausbildungsdienstes oftmals interessante Abweichungen zu erkennen.

Aber nur, wenn die Führungskraft ein belastbares Wissen um diese Zeitbedarf hat, kann sie ihre Aufgabe an der Einsatzstelle erfolgreich wahrnehmen. Und auch in diesem Bereich kann mit spielerischen und wettkampfähnlichen Elementen einiges erreicht werden. Warum nicht in derselben Lage den Unterbau durch verschiedene Trupps nacheinander durchführen lassen.  Und dabei die Stoppuhr mitlaufen lassen. Dies führt von selbst dazu, dass unsere Einsatzkräfte im Rahmen der Übung versuchen, durch Prozessoptimierung Zeit zu sparen. Und oftmals ergeben sich dabei ganz pfiffige Lösungen. Die Steigerung davon sieht man jährlich in den Veranstaltungen der vfdu, bei denen Mannschaften aus dem gesamten Bundesgebiet antreten und die Ergebnisse ihrer Tätigkeit der Wertung stellen. Und nicht wenige Lösungen, die man heute an vielen Einsatzstellen bietet, seien sie technische oder taktischer Natur, entstammen aus diesem Umfeld. Von Holstern mit bestimmten Werkzeugen am Mann angefangen über Seilspanner zum Sichern von Türen und Dächern bis hin zu optimierten Unterbaumaterialien.

In diesem Sinne, einfach mal bei den nächsten Übungen zur Technischen Hilfeleistung die Uhr mitlaufen lassen und prüfen, ob man selbst das richtige Zeitgefühl für diese Aufgabe entwickelt hat. Dann kann man irgendwann auch dem Notarzt an der Einsatzstelle die richtigen Auskünfte geben.

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