Christian Fischer

Sonntag

21

Juli 2013

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KOMMENTARE

Wann lernen wir eigentlich Brandbekämpfung?

Veröffentlicht von , veröffentlicht unter Ausbildung

Gedanken zu einer Ausbildung “Atemschutzgeräteträger Teil 2″

“Feuerwehr” steht auf unseren Einsatzfahrzeugen drauf. Aber was ist eigentlich drin. In Form von Qualifikation der Mannschaft? Und vor allem wie organisiert und einheitlich findet diese Ausbildung statt? Vor allem die für den Innenangriff.

Im Truppmann Teil 1 lernt der Feuerwehrmann die Grundlagen. Warum brennt etwas, wo kommt das Wasser her, wie transportieren wir das Wasser, wer macht was,… Aber so richtig Löscheinsatz im Innenangriff eher nicht. Beim Zeitansatz von 20 Unterrichtseinheiten für dieses Themen kommt man über nicht mehr als die Grundlagen hinaus. Mehr wird auch deshalb schwierig, weil dazu Atemschutz erforderlich wäre, was an Ausbildung ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhanden sein kann.

Dann vielleicht im Lehrgang Atemschutzgeräteträger. Dieser ist mit 25 Stunden auch nicht wirklich üppig bemessen. Er soll aber immerhin in den drei Unterrichtseinheiten des Themenkomplexes “Atemschutzeinsatzgrundsätze” die Themen “Verantwortlichkeiten des Atemschutzgeräteträgers, Atemschutzeinsatzgrundsätze, Orientierung, Absuchen und Kennzeichnen von Räumen, Verhalten in Notsituationen” vermitteln. Aber offensichtlich nur als Vortrag/ Lehrgespräch. Dann im Themenkomplex “Atemschutzgeräteeinsatz” für das insgesamt 16 Unterrichtseinheiten zur Verfügung stehen sind neben den reinen gerätebezogenen Themen immerhin auch solche  wie “Arbeiten mit zunehmender Belastung und Arbeiten unter Einsatzbedingungen” enthalten. Und bei diesen beiden Punkten soll immerhin die Lernzielstufe 3 erreicht werden Das Ziel heißt damit “Präzision”, dahinter steht dann die Formulierung “muss fachlich richtig und selbstständig gesamte Handlungsabläufe durchführen und erklären können”. Und das als kleiner Teil der 16 Unterrichtseinheiten. Auch dies ist ein äußerst engagiertes Ziel, das die FwDV 2 uns Ausbildern da vorgibt. Und vollkommen an der Realität vorbei.

Dann bliebe ja noch der Truppmann Teil 2. Hier sind nach FwDV 2 in den 80 Unterrichtseinheiten innerhalb von 2 Jahren immerhin ganze 20 für das Thema Löscheinsatz vorgesehen. Selbst wenn man noch einen Teil der 12 Unterrichtseinheiten aus dem Thema “Rettung” hinzunimmt ist das eine geringe Größe. Und neben dem Innenangriff müssen natürlich auch viele andere Themen wie Wasserversorgung, Wasserentnahme, Leitereinsatz, Schaumeinsatz,… geübt werden. Zwar nennt der Lernzielkatalog Baden-Württemberg zum Truppmann Teil 2 explizit die Themen “Sicheres Verhalten in Brandräumen” und “Sicheres Verhalten in Treppenräumen”. Aber eben alls im Zeitansatz von 20 Unterrichtseinheiten neben vielen anderen Themen.

Somit haben wir einen gemäß FwDV 2 ausgebildeten Feuerwehrmann der Truppmann und Atemschutzgeräteträger ist, der aber dennoch die Themengebiete in den offiziellen Ausbildungen nur gestreift hat.

Schon vor vielen Jahren habe ich daher den “Atemschutzgeräteträgerlehrgang Teil 2/ Brandbekämpfung” zusammengestellt und erfolgreich umgesetzt. Dieser baut auf dem Truppmann Teil 1 und dem Lehrgang Atemschutzgeräteträger auf. Letzterer ist dann ein “Gerätebedienerlehrgang” der zum Ziel hat, dass sich der Teilnehmer mit dem Gerät nicht selbst umbringt. Dieser AGT Teil 2 kann dann teilweise auf den Truppmann Teil 2 anrechnen, geht aber vom Zeitansatz weit darüber hinaus.

Der Zeitansatz sind ca. drei volle Tage mit je 8-9 Zeitstunden reiner Ausbildungszeit zzgl. Pausen.

Die Teilnehmerzahl ist mindestens mit vier Teilnehmern geplant, damit bestimmte Übungen mit zwei Trupps durchgeführt werden können. Damit alle Teilnehmer ausreichend praktische Übungszeit bekommen, sind bei zwei Ausbildern maximal acht Teilnehmer an den ersten beiden Tagen der Ausbildung sinnvoll möglich. Die Atemschutznotfallübungen und Einsatzübungen am dritten Tag werden dann in Staffelstärke (d.h. zwei AT-Trupps)  durchgeführt und je nach Ausbilderverfügbarkeit dann ggf. auf  zwei Termine verteilt. Steht eine Zahl an Teilnehmern an, die nicht durch 4 teilbare ist, können auch bereits ausgebildete AGT für die Ausbildungsteile, die  zwei Trupps erfordern, ergänzen und damit ihre eigene Ausbildung vertiefen.

Der Personalansatz sind zwei Ausbilder und zwei Ausbildungshelfer (u.a. als Kraftfahrer).

Ziel ist die sichere und selbständige Wahrnehmung der Aufgabe des Truppmannes unter Atemschutz bei Brandeinsätzen unter Führung des Truppführers. Zusätzlich erfolgt die Unterweisung in den spezifischen organisatorischen, taktischen und technischen Besonderheiten am Standort.

  1. Organisatorisches/ UVV/ Einweisung in den Atemschutz
    • Ablauf der Ausbildung
    • Einweisung Dokumentationssystem
    • Hygiene
    • Ausgabe von persönlich zugeteilter Ausrüstung (z.B. Masken) für die Ausbildung
    • Gefahren im AT-Einsatz
    • Folgen von Unfällen
  2. Brennen und Löschen/ Brandphänomene
    • Voraussetungen der Verbrennung/ Versuche
    • Versuche zur Pyrolyse
    • Einteilung und Entstehung Brandphänomene/ Erkennung
    • Vorführung F/O-Box
  3. Einweisung in die Persönliche Schutzausrüstung
    • Insbesondere Schnittstellen der Einzelteile
    • Flammschutzhaube/ Helmtuch
    • Schutzwirkung und Grenzen der PSA
  4. Fahrzeug- und Gerätekunde / Ausrüstung im Innenangriff
    • Ausrüstung als AGT für Brandbekämpfung und/ oder Menschentettung
    • Ausrüstung/ Geräte im Innenangriff
    • Was lagert wo auf welchem Fahrzeug
    • “Prozessoptimierung” beim Ausrüsten
  5. PA-Drill (incl. praktischen Übungen)
    • Einweisung in die in der Wehr vorhandenen Gerätetypen, Lungenautomatentypen und Maskentypen
    • Ausrüsten auf Zeit (Ziel: 90 Sekunden für Einsatzbereitschaft mit PA incl. Einsatzkurzprüfung, Maske incl. Dichtprobe nach jeder Manipulation, Flammschutzhaube, Helm, Helmtuch, Handschuhe; dabei Prozessoptimierung
    • Varianten Gerät vom Boden, Gerät im Mannschaftsraum (verschiedene Fahrzeuge), Gerät im Geräteraum auf Schlitten (verschiedene Fahrzeuge)
    • Anlegen im Mannschaftsraum während der Fahrt
    • Ein-/ Aussteigen aus Fahrzeugen
  6. Bewegungsarten im Atemschutzeinsatz (incl. praktischen Übungen)
    • Aufrechter Gang/ An der Wand entlang
    • Seitenkriechgang
    • Treppe aufwärts/ abwärts
  7. Hohlstrahlrohrbedienung/ Türöffnungsprozedur/ Hohlstrahlrohrdrill (incl. praktischen Übungen)
    • Hintergründe Hohlstrahlrohr
    • Verstellmöglichkeiten
    • Haltung
    • Einsatzmöglichkeiten verschiedene Strahlformen
    • Verhalten an Türen
    • Einweisung/ Übung in Türprozedur/ Wer ist wo & wer macht was
    • Aufbrechen von Türen
    • Hohlstrahlrohrdrill (Temperaturcheck, Rauchkühlung, Angriffsstrahl, Türprozedur)
  8. Techniken zur Rohr-/ Leitungsvornahme (incl. praktischen Übungen)
    • Verlegen von Leitungen (Treppenraum, Treppenauge, über Fenster/ Fassade
    • Schlauchreserve legen und sichern/ SchlauchpaketAr
    • Arbeit mit dem Loop
    • Rohrvornahme unter PA über tragbare Leitern
    • Arbeit mit Steigleitungen
  9. Suchtechniken (incl. praktischen Übungen/ Nullsicht)
    • linke/ rechte Hand
    • Tauchertechnik
    • Baumtechnik
    • Arbeit mit Wärmebildkamera im Trupp
  10. Rettung (von Zivilisten) (incl. praktischen Übungen)
    • Retung ohne Hilfsmittel
    • Rettung mit Hilfsmitteln
    • Arbeit In der Ebene
    • Arbeit über Treppen
  11. Atemschutzüberwachung
    • Einweisung in die verwendete Atemschutzüberwachungstechnik
  12. Atemschutznotfall (incl. praktischen Übungen)
    • Ursachen/ Vermeidung
    • Einweisung in das am Standort eingeführte AT-Notfallsystem ( Taktik und Technik)
    • Übungen mit verschiedenen Aufgaben unter Nullsicht
    • Streßfaktoren wie Festhängen, Lärm, ggf. Ventilschluss einspielen
  13. Einsatzübungen (Mehrere Übungen unter Nullsicht, Lärm, Wasser am Rohr)
    • Vorgehen über Treppenraum
    • Vorgehen über Leitern
    • Brandbekämpfung
    • Personensuche
    • Rettung von bewusstlosen Zivilisten (über Treppenraum und Leitern)

 

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