Christian Fischer

Samstag

27

Juli 2013

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Personalschonende Alarmierung

Veröffentlicht von , veröffentlicht unter Organisation

Bei den Freiwilligen Feuerwehren ist es heute so, dass oftmals mit einer erheblichen Redundanz (Faktor 2 bis 3, im Einzelfall sogar mehr) alarmiert wird. Dies führt regelmäßig dazu, dass mehr Personal im Feuerwehrhaus steht, als ausrücken wird, was auf die Motivation wirkt. Zum anderen hat dieses Personal den Arbeitsplatz oder eine familiäre Situation verlassen, wurde aus dem Schlaff gerissen,… Und die Frage ist: Muss das sein – und wie ist die Entwicklung, wenn so etwas öfters passiert. Sicherlich, bei Wehren mit 20 Alarmen im Jahr – egal. Aber ich komme mit Baden-Württemberg aus einer Ecke unserer Republik, wo es normal ist, dass auch Gemeinden mit guten fünfstelligen Einwohnerzahlen reine Freiwillige Feuerwehren haben, die gute dreistellige Einsatzzahlen pro Jahr haben. Wine wichtige Maßnahme ist daher zu pürfen, ob es Möglichkeiten gibt, diese Redundanz bei der Alarmierung zu reduzieren ohne dass dadurch das Risiko mit zuwenigen Kräften da zu stehen unakzeptabel steigt. In den meisten Fällen ist heute im Leitrechner bestimmten (standardisierten) Alarmstichworten eine je nach Wehr/ Kommune individuell gestaltetet AAO zugeordnet. Diese AAO enthält dann auch die Schleifen/ RIC, die für die jeweilige Wehr bei einem bestimmten Stichwort zu alarmieren sind. Durch die Anzahl der Meldeempfänger wiederum, die in der Wehr die jeweiligen Schleifen/ RIC aufprogrammiert haben, wird dann innerhalb der Wehr festgelegt, welche und wieviele Einsatzkräfte bei welchem Stichwort über die Schleife/ das RIC alarmiert werden.

Heute ist es technisch oft so, dass es  eine Führungskräfteschleife, eine Bagatellalarmschleife (eventuell unterteilt in Tag/ Nacht), eine Kleingruppenschleife (ebenfalls eventuell unterteilt in Tag/ Nacht) und den Zug-/ bzw. den Gesamtalarm gibt.

Kurzfristige Anpassungen an den Bestand an Einsatzkräften ist nicht möglich, denn entweder müssen dazu Meldeempfänger umprogrammiert werden oder es sind Eingriffe im Leitrechner erforderlich. Beides ist nicht wirklich flexibel. Deshalb sind Dauerlösungen oftmals mit Zeitverzögerung und dann nachhaltig geprägt. d.h. man programmiert mehr Einsatzkräften als bisher die Schleife auf ihren Melder oder man weist bestimmten Stichworten im Leitrechner einfach eine Schleife/ ein RIC mit mehr alarmierten Einsatzkräften darauf zu. Beides bringt Sicherheit für die planende Führung und beides verschleißt Personal.

Eine einfache Möglichkeit ist z.B. zu bekannten und planbaren Personalmangelzeiten wie Ferienzeiten der Meldertausch. Personal das in Urlaub geht stellt den Melder ins Feuerwehrhaus, andere Kräfte die da sind übernehmen diesen für die Urlaubszeit. Mit etwas Vorplanung dann sogar mit vergleichbarer Qualifikation.

Meldertausch ist auch für die Entlastung auf Bagatellschleifen eine Möglichkeit bei höherer Einsatzfrequenz. Es gibt sozusagen immer zwei Personen, die auf einer “Funktionsstelle” (d.h. gleiche Qualifikation und zeitliche Verfügbarkeit z.B. AGT, Maschinist, tagsüber am Ort abkömmlich) sitzen. Und diese tauschen Wochenweise den Melder. Bzw. im Zeitalter von DME mit mehreren verfügbaren Profilen aktivieren sie abwechselnd das Profil mit oder ohne Bagatellalarmgruppe. Das geht sogar tagesweise in Absprache zwischen den beiden “Stelleninhabern”.

Und natürlich muss konsequent und regelmäßig die Verfügbarkeit und Einsetzbarkeit der bisher auf einer Schleife alarmierten Kräfte überprüft werden. Wenn jemand bisher tagsüber verfügbar war, jetzt aber seinen Arbeitsplatz außerhalb des Ortes verlagert hat, dann ist es keine Degradierung und kein Angriff auf die Person, wenn diese zukünftig tagsüber nicht mehr mit alarmiert wird, dafür ein anderer Feuerwehrmann, der jetzt tagsüber verfügbar ist.

Der Vorteil aller dieser Lösungen: Die sind im heutigen System kostenfrei und ohne großen Aufwand umzusetzen.

Die Steigerung ist eine technischen Lösung. Es wird nicht mehr in festgelegten Alarmgruppen (Bagatell, Klein, Zug, Voll) bei bestimmten Stichworten alarmiert. Sondern die Kräfte sind in immer gleichgroße Gruppen mit gleicher Verteilung an Qualifikationen eingeteilt. z.B. immer sechs Personen. Mit insgesamt den Qualifikationen zwei Gruppenführer, zwei Fahrer C und 4 AGT. Im Hintergrund laufen nun zwei Dinge.

Zum einen meldet sich jede Einsatzkraft je nach Verfügbarkeit (ständig) an und ab. Das geht entweder über Nebenstellenanlagen der TK-Anlage mit einem Anruf der nicht mal etwas kostet oder im Zeitalter von Smartphones über entsprechende Softwarelösungen. Die Messgröße ist “bin beim Alarm innerhalb von X Minuten verfügbar”. Und X ist die Zeit, die man standardisiert vorgibt. z.B. 10 Minuten (natürlich könnte man auch ein System mit zusätzlichen Status wie 20 oder 30 Minuten einführen, das ändert aber nichts am Grundverständnis für das System).

Zum anderen prüft der Leitrechner bei jeder Alarmierung, wen er nun in einer bestimmten Alarmgruppe die “dran ist” gerade mit welcher Qualifikation alarmieren kann. Beispiel: Es werden 2 Staffeln = 12 Einsatzkräfte mit 2 Gruppenführern und 2 Fahrern C benötigt.

Prüfung Verfügbarkeit Alarmgruppe 1: 3 Einsatzkräfte verfügbar. Davon 1 Fahrer aber 0 Gruppenführer. → Bedingung 12 Einsatzkräfte nicht erfüllt, Bedingung 2 Gruppenführer nicht erfüllt, Bedingung 2 Fahrer C nicht erfüllt. Nächste Alarmgruppe wird geprüft.

Prüfung Alarmgruppe 2. Darin sind verfügbar 5 Einsatzkräfte, davon 1 Fahrer und 1 Gruppenführer. Ergibt in Summe aus Alarmgruppe 1+2 = 8 Einsatzkräfte, davon 1 Gruppenführer und 2 Fahrer C → Bedingung 12 Einsatzkräfte nicht erfüllt, Bedingung 2 Gruppenführer nicht erfüllt, Bedingung 2 Fahrer C erfüllt. Nächste Alarmgruppe wird geprüft.

Prüfung Alarmgruppe 3. Dort sind 5 Einsatzkräfte verfügbar, darunter 2 Gruppenführer und 1 Maschinist. Ergibt in Summe aus Alarmgruppe 1+2+3 = 13 Einsatzkräfte, davon 3 Gruppenführer und 3 Fahrer C. → Bedingung 12 Einsatzkräfte  erfüllt, Bedingung 2 Gruppenführer erfüllt, Bedingung 2 Fahrer C erfüllt. Keine weitere Alarmgruppe mehr zu prüfen, Alarmgruppen 1-3 werden alarmiert (und ja, das ist vereinfacht dargestellt, natürlich muss auch eine .Kollission von Mehrfachfunktionen wie Gruppenführer/ Fahrer C ausgeschlossen werden, aber eine Datenbank kann das).

Und zur Personalschonung wird beim nächsten Alarm dann bei der Prüfung mit Alarmgruppe 4 begonnen und Richtung 5 fortgesetzt, so dass, je nach Wehrgröße und Alarmfrequenz die Alarmgruppen 1-3 eine Weile Ruhe haben.

Das Funktionieren des Systems setzt natürlich Disziplin beim Abmelden und Anmelden voraus. Dies lässt sich aber wiederum im Rahmen eine “Qualitätssicherung” prüfen, wenn man vergleicht wer alarmiert wurde, und wer wann am Feuerwehrhaus eingetroffen bzw. wann ausgerückt ist.

Neben den genannten Qualifikationen können natürlich auch andere standardisierte Qualifikationen beim Personal hinterlegt werden. Das System kann sicherlich nicht in Gänze Alarmgruppen für Sonderlagen/ Sonderfunktionen wie DLK-Maschinisten ersetzen. Hier kann man aber mit einem ähnlichen System arbeiten und Gruppen nur mit Personal der Qualifikation DLK-Maschinist (zusätzlich zu Gruppenführer/ AGT/ Maschinist) bilden, die dann geprüft, kombiniert und alarmiert werden.

Sicherlich, diese Lösung zaubert kein Personal aus dem Hut, das nicht vorhanden ist. Aber sie kann dafür sorgen, das vorhandene Personal zu schonen und somit länger verfügbar zu halten. Denn die Gewinnung von neuem Personal ist immer ungleich aufwendiger, als das halten von vorhandenem Personal.

Zur Verfeinerung kann man natürlich auch die Alarmgruppen in tagsüber verfügbar und tagsüber nicht verfügbar gliedern, um die Prüfungsroutinen “schneller erfolgreich” zu machen. Auf der anderen Seite ist es eigentlich nicht erforderlich, denn die Prüfung geht automatisiert so schnell, dass man nicht bemerkt, ob 2 oder 20 Gruppen geprüft werden. Dazu kommt, dass man damit auch “Zufallstreffer” mit einbeziehen kann. z.B. die Einsatzkraft, die zwar planmäßig tagsüber nicht verfügbar ist, aber an diesem Tag frei hat, Ferien, Überstunden abbaut, noch nicht zur Arbeit losgefahren ist,… und sich somit die Belastung tagsüber auf alle Einsatzkräfte verteilt und nicht nur auf die, von denen man annimmt, dass sie tagsüber da sind. Und jemand der den Status “nicht verfügbar in 10 Minuten” gesetzt hat der weiß, dass er nicht los fahren muss, da das System ohne ihn geplant hat. Bei einem System mit verschiedenen “Zeitschlitzen” (10, 20, 30 Minuten) muss man systemseitig dann sicherstellen, dass es eine Möglichkeit gibt, auch einen Alarm für diese Staffelung vorsehen und natürlich eine Alarm “für alle” unabhängig vom gesetzten Status bei Großlagen bei denen dann jeder weiß “jetzt muss ich kommen, auch wenn es ungünstig ist”. Mit entsprechenden RIC und/ oder Alarmtexten die übertragbar sind ist das mindestens im POCSAG-Verfahren möglich, aber auch beim alten ZVEI-Fünftonruf ist das bei Meldern mit mehreren Schleifen möglich.

Im Prinzip ist dies nichts anderes, als eine Art “Bereitschaftssystem”, nur dass diese Bereitschaft nicht eingeplant und angeordnet ist, sondern sich die Bereitschaft spontan über die Statusmeldung der einzelnen Einsatzkräfte an einen Zentralrechner bildet. In welchem Umfang man darüber hinaus noch Reserven für Unvorhergesehens (Stau, Anfahrtprobleme, Baustellen,…) einplant ist abhängig von der realen Verfügbarkeit und den realen Problemen. Aber auf jeden Fall muss nicht mehr mit einer Redundanz von 2 oder 3 (oder mehr) gerechnet werden. Dies führt auch dazu, dass die alarmierten Einsatzkräfte im Grundsatz wissen, dass sie mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch ausrücken. Und auch wenn wir es nicht zugeben. Genau dieser Wunsch führt zum einen zur Frustration, wenn man zum zehnten Mal angefahren ist und nicht ausgerückt ist. Zum anderen führt das dazu, dass immer wieder das Thema “Sonderrechte auf der Fahrt zum Feuerwehrhaus” aufkommt, da es darum geht, einen der “begehrten” Plätze auf dem Fahrzeug zu bekommen, das auch tatsächlich nach AAO ausrückt.

 

Unterm Strich also eine Win-Win Situation.

  • Vorhandenes Personal wird geschont, da die Anzahl der Alarmierungen sinken wird
  • Vorhandenes Personal ist bei Alarmierung motivierter, da es weiß, dass es gebraucht wird
  • Wer wirklich verfügbar ist, der muss keine “Angst” haben, erheblich weniger Einsätze zu fahren (auch diese Denke gibt es leider) als bisher
  • Die Kommune spart ggf. bei den Lohnausfallkosten
  • Die Führung kann sicherer planen, da sie sich darauf verlassen kann, dass der Leitrechner ihnen mit der Alarmierung genug Kräfte für das hinterlegte Stichwort schickt
  • Ärger mit Arbeitgeber und Familie kann reduziert werden, denn sie wissen: Wenn er geht, dann wird er auch gebraucht
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