Christian Fischer

Samstag

27

Juli 2013

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Das Lernziel “Mal gehört haben”

Veröffentlicht von , veröffentlicht unter Ausbildung

Jeder hat es schon in irgend einer Ausbildung erlebt. Da steht der Ausbilder vorne und erzählt. Durchaus fachkundig. Und fundiert. Man merkt, es macht ihm Spaß. VIelleicht goutieren das die Teilnehmer und schenken ihm sogar Aufmerksamkeit. Wirft man aber einen Blick in die Themen und Lernziele der jeweiligen Ausbildung, dann fehlt dieses Themengebiet bzw. dieser Aspekt oder diese Tiefe bei der Aufstellung des zu vermittelnden Wissens und der zu vermittelnden Fähigkeiten. Fragt man den Ausbilder dann, was seine Beweggründe waren, dann bekommt man oft die Antwort “es schadet ja nicht, wenn die Teilnehmer das mal gehört haben”. Da ist es dann wieder, dieses Lernziel “mal gehört haben”.

Sicherlich, Wissen schadet nie. Ich selbst bin auch ein durchaus neugieriger Mensch. Aber in einer Ausbildung, in der die Zeit immer knapp ist oder in einem Jahrsausbildungsplan einer Feuerwehr sind eigentlich keine Spielräume für solche Schnörkel. Wir haben, wenn wir ganz ehrlich sind, eigentlich ohnehin viel mehr Themen, die wir vermitteln, wiederholen, lehren und festigen müssen. Für irgend welche Hobbies irgend welcher Ausbilder bleibt da eigentlich überhaupt kein Platz. In meiner Anfangszeit bei der Feuerwehr wurden mir noch Mundstückdurchmesser und Wurfweiten von DIN-Strahlrohren beigebracht. Und die Länge und Prüf-/ Berstdrücke von Rollschläuchen. Im Truppmann Teil 1. Gebraucht habe ich das bis heute nicht. Wozu auch. Ja, als ich dann auf dem Zugführerlehrgang viele Jahre später die Wasserförderung lange Wege berechnen musste war die Info Schlauchlänge am Rande wichtig. Aber auch nur ganz am Rande. Denn zum einen ist es egal, ob in einem SW 2000-Tr. 100 Schläuche mit 20m Länge oder 133 Schläuche mit 15m Länge sind. Ich bestelle und bekomme 2.000m B-Schlauch. Und außerdem hätte es dann gereicht, diese Information im Zugführerlehrgang zu vermitteln. Nicht schon im Truppmann Teil 1. Aber natürlich. Im schriftlichen Test kann man sowas gut abfragen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Das hat nichts mit “Mannschaft dumm halten” zu tun. Das klappt im Zeitalter des Internet ohnehin nicht mehr. Aber in den offiziellen Ausbildungszeiten müssen wir bei der Planung der Ausbildung sehr genau darauf achten, welche Inhalte wir vermitteln müssen, und welche “schmückendes Beiwerk” und Hobby des einzelnen Ausbilders ist. Auch ist wichtig, die Zielgruppe zu definieren. Es ist absolute Zeitverschwendung, auf Truppebene Wissen zu vermitteln, das in die Köpfe der Gruppen- oder Zugführer gehört. Wie gesagt. Das hat nichts mit dumm halten zu tun und schließt auch das Thema Führen durch Auftrag nicht aus. Sondern damit dass es in jeder Wehr genügend Themen auf Truppebene gibt, die dort alle Ausbildungszeit die man möglich macht gleich einem Schwamm aufsaugen könnten und man anschließend dennoch nicht alles vermittelt hat, was eigentlich notwendig wäre.

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