Christian Fischer

Samstag

20

Juli 2013

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KOMMENTARE

Da kann doch jeder Depp mitmachen…

Veröffentlicht von , veröffentlicht unter Öffentlichkeitsarbeit

Die Überschrift stammt aus einer mitgehörten Gespräch. Der Satz fiel in einer Unterhaltung in einer Brauereigaststätte in München am Pfingstwochenende. Ich saß mit meiner Begleitung am Tisch, während sich daneben eine Gruppe junger Männer unterhalten hat. Wie man ihren Äußerungen entnehmen konnte, waren sie Studenten. Das Gespräch drehte sich zu diesem Zeitpunkt um die Freizeitbeschäftigungen, welche die einzelnen ausgeübt haben, bevor sie zum Studium nach München gewechselt sind. Und einer war eben zuvor bei der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort. Die Überschrift war dann die Antwort einer seiner Kommilitonen am Tisch. Und es war eigentlich kein Widerspruch zu hören, sondern die Gruppe war sich in diesem Punkt schnell einig.

Und wenn wir mal ehrlich sind, ist diese Meinung denn so grundsätzlich falsch? Was sind denn unsere Aufnahmekriterien? Suchen wir wirklich aktiv nach bestimmtem Personal oder nehmen wir jeden, der halbwegs aufrecht ins Feuerwehrhaus laufen und die Worte “ich will mitmachen” sprechen kann? Die Feuerwehrgesetze der einzelnen Länder fordern zwar eine körperliche und geistige Eignung, wie diese aber aussieht, darüber schweigt sich der Gesetzgeber aus. Und wenn jeder mitmachen kann, dann kann diese Tätigkeit wohl nicht besonders anspruchsvoll sein. So jedenfalls die Wirkung nach außen. Wenn die Feuerwehr selbst dann noch die gängigen Klischees erfüllt, also vor allen Dingen bei Festen und anderen geselligen Veranstaltungen ins Auge sticht, dann entsteht daraus eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf potentielle Interessenten. Und zwar auf die, die wir vielleicht haben sollten genauso wie auf die, die wir bekommen (und vielleicht nicht wirklich haben wollen).

Und machen wir uns nichts vor, die Werbung um Eliten verlieren wir mit dieser Ausgangsposition. Denn was jeder kann ist nichts besonderes und damit nicht attraktiv. Oder glaubt wirklich jemand, dass Tennis in den 1970er/1980er Jahren so populär gewesen wäre, wenn jeder Tennis gespielt hätte? Oder heute Golf, wenn jeder Schläger daheim stehen hätte und jederzeit auf öffentlichen Golfplätzen spielen könnte? Ein Stück weit ist die Werbung mit dem “besonderen” ein Pfund, mit dem wir viel zu selten wuchern. Denn eigentlich ist das, was wir tun etwas ganz besonderes. Diese merke ich regelmäßig dann, wenn ich mich mit Außenstehenden über das Thema Feuerwehr unterhalte. Alleine unser Aufgabenspektrum beeindruckt viele. Es gibt diese lustigen Aufkleber “alle Rennen raus, wir rennen rein”. Ganz falsch ist dieser Ansatz nicht, jedoch schaffen wir es nicht, diesen Gedanken entsprechend zu formulieren und werbend einzusetzen.

Das Ergebnis ist dann, dass wir mit dem Personal arbeiten müssen, dass wir heute anziehen. Ob dies aber immer den weiter steigenden Anforderungen an unsere Ausbildung und Fortbildung entspricht und eine Weiterentwicklung ermöglicht, die taktisch und technisch Antworten auf die Fragen von morgen liefert, kann mit Blick auf die Praxis getrost bezweifelt werden.

Ach ja, wir stehen mit dem Problem nicht ganz alleine da. Ich kann mich gut an ein Gespräch mit einem hauptamtlichen Mitarbeiter einer Hilfsorganisation erinnern, dem nichts unangenehmer war, wie mit den ehrenamtlichen “Wolldeckenwerfer” des wochenendlichen Sportplatzdienstes der (formal) selben Hilfsorganisation in einen Topf geworfen zu werden. Auch deshalb, weil dort die Personalauswahl und Qualifikation aus seiner Sicht wenig Anlass dazu gab, diese Gleichsetzung als wertschätzen zu sehen.

In sofern wäre es sicherlich auch mal eine Überlegung wert, ob man mit etwas mehr elitärer Denkweise auch andere Bevölkerungsschichten zur Feuerwehr bringen könnte, die der Qualität des Personals gut tun könnte…

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