Christian Fischer

Sonntag

17

März 2013

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Rechnerei unter Atemschutz

Veröffentlicht von , veröffentlicht unter Taktik

Manchmal muss man mit allem rechnen, auch mit Drücken. Im Atemschutzeinsatz wird immerhin schon regelmäßig die Rechnung „Anmarschdruck x 2 = Rückszugsdruck“ praktiziert. Damit hat es sich aber meist schon erledigt. Darüber hinaus gibt es noch viele andere spannende Berechnungsmöglichkeiten im Atemschutzeinsatz. Eine m.E. unterschätzte kommt bei der Ablösung am Strahlrohr zum tragen. Sicherlich wurde schon fast jeder Gruppenführer im Einsatz von der Meldung seines Atemschutztrupps überrascht “Rückzugsdruck erreicht, wir kommen jetzt raus”. Der Rückzugdruck was selbstverständlich auch brav auf der Artenschutzbewachungstafel eingetragen. Dennoch hat man nun die Situation, dass der Einsatz am Rohr unterbrochen wird.

Wie könnte man dieses Problem lösen? Für den Gruppenführer gilt eigentlich „Anmarschdruck x 3 = Abmarsch des Ablösetrupps“. Dies bedeutet, wenn der erste Trupp 50 bar für seinen Anmarsch zur Brandstelle benötigt hat, muss der ablösende Druck sich bei 150 bar in Bewegung setzen, damit er rechtzeitig beim ersten Trupp eintrifft, bevor dieser sich zurückziehen muss. Es wird in der Regel so sein, dass der erste Trupp einen erhöhten Zeitbedarf für den Anmarsch hatte, da er noch eine Leitung verlegen und das Feuer unter Umständen noch suchen musste. Demnach wird die Anmarschzeit für den ablösenden Trupp etwas kürzer ausfallen. Hier kann der Gruppenführer dann noch etwas variieren. Dennoch muss er sich spätestens zu diesem Zeitpunkt darum kümmern, dass der Ablösetrupp bereit steht. D.h., er muss aus der Reserve angefordert und ihm unterstellt werden.

Eine weitere interessante “Rechnerei” ergibt sich bei Gebäuden mit langen Fluren und davon abzweigenden Räumen beispielsweise in Verwaltungsgebäuden oder Pflegeeinrichtungen. Handelt man hier strikt nach der Regel Anmarsch trug mal zwei Gleichrückzugsdruck, holt man den Trupp unter Umständen viel zu früh aus dem Gebäude. Zur Verdeutlichung kann man sich folgenden (mehrseitigen) Grundriss ansehen. Hier wird deutlich, wenn nach absuchen des ersten Raumes bei einem Restdruck von 200 bar (nach 100 bar Verbrauch, d.h. 20 bar für den Weg vom Gebäudezugang zum ersten Raum und 80 bar für die Durchsuchung des ersten Raumes) würde ohne nachzudenken der Rückzug eingefordert. Denn 100 bar x 2 = 200 bar = Rückzugsdruck. Nur ist hier der Anmarsch trug eigentlich nur 20 bar. Somit wäre der Rückzug 40 bar. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig gut ausgebildete Truppführer sind, die dann im Zusammenspiel mit dem Gruppenführer durch entsprechende Rückmeldungen erst eine effiziente Nutzung des vorhandenen Atemluftvorrat zu ermöglichen.

Diese beiden Rechenbeispiele zeigen dann deutlich, warum die Atemschutzüberwachung durch den Gruppenführer direkt durchgeführt werden muss. Denn er muss diese Daten vor sich haben, um damit rechnen zu können.

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