Christian Fischer

Dienstag

19

März 2013

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Die Sache mit den Plastikschüsseln…

Veröffentlicht von , veröffentlicht unter Öffentlichkeitsarbeit

Mit schöner Regelmäßigkeit werden von verschiedenen Stellen auf Bundes-, Landes-, Kreis- oder Gemeindeebene neue Konzepte zur Personalgewinnung entworfen. Denn langsam merkt auch der letzte Verantwortliche, dass die Bevölkerungsentwicklung, die Veränderungen im Bereich von Beschäftigungsverhältnissen und das Freizeitverhalten direkten Einfluss auf die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren haben.

In der Vergangenheit wurde der Bedarf überwiegend aus den Jugendfeuerwehren gedeckt. Dazu kamen in Einzelfällen noch die Bewerber, die die Möglichkeit der Freistellung vom Grundwehrdienst nutzen wollten. Aber offensichtlich reichen diese Potenziale dauerhaft nicht aus, um den Bedarf der Bewerber in Quantität und Qualität zu decken. Insbesondere werktags tagsüber ist das Personalproblem immer deutlicher zu spüren.

Betrachtet man nun diverse Personalwerbekampagnen, dann fällt auf, dass überwiegend mit grafischen Werbematerialien, die auch auf Onlineauftritten genutzt werden können, geworben wird. Also Plakate, Flyer und Anzeigen. Diese sind in aller Regel ansprechend gestaltet und erfreuen sich, auch in Feuerwehrkreisen, entsprechender Beliebtheit. Jedoch muss man die Frage stellen, ob mögliche Zielgruppen dies genau so sehen. Frei nach der Weisheit: “Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.”

Wobei damit schon das erste Problem benannt wäre. Wer sind eigentlich unsere Zielgruppen? Denn diese Werbekampagnen haben eine ungesteuerte Breitenwirkung. Sicherlich kann man durch entsprechende Anbringung und Verteilung der Materialien die Wahrnehmung in bestimmten Gruppen stärken, aber eine gezielte Ansprache potenziell besser erreichbarer Gruppen oder besonders wünschenswerter Gruppen ist damit nur sehr eingeschränkt möglich. Dennoch werden diese Formen der Kampagnen immer wieder neu aufgelegt, teilweise durch besondere, politisch wünschenswerte, Zielgruppen (beispielsweise Frauen) akzentuiert. Aber eine besondere Wirksamkeit stellt sich dadurch nicht ein. Befragt man Feuerwehren nach der Anzahl der auf dieser Weise neu gewonnenen Mitglieder, sind die Zahlen in der Regel um null.

Jetzt kommen wir zu den Plastikschüsseln. Die meines Erachtens wirksamste Art der Gewinnung von neuem Personal ist ein Weg, den man sich bei Tupperware™ abschauen kann. Es wird ein Produkt in einem “Vertrauensumfeld” (Wohnung von Freunden, Bekannten oder Kollegen) beworben, wobei die „Vertrauensperson“ dabei teilweise selbst eine mindestens mittelbare Rolle in der Bewerbung der Produkte spielt. Es werben also bereits zufriedene Kunden für das Produkt. Und das in einem Umfeld, in dem die Kontaktaufnahme zu den potentiellen Kunden eben nicht auf einer anonymen Basis stattfindet, sondern über direkte oder indirekte Bekanntschaften. Dies bedeutet auf Ebene der Feuerwehr übertragen, dass zufriedene Einsatzkräfte in ihrem Umfeld (beruflich und privat) direkte Werbung betreiben. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich heutige Einsatzkräfte in einem Umfeld bewegen, das ebenfalls ein potentielles Interesse an Dienst in der Feuerwehr haben könnte. Zu einer Verkaufsveranstaltung für die kleinen Küchenhelfer aus Kunststoff würde vermutlich auch niemand den passionierten Heimwerker und männlichen „Küchenmuffel“ ansprechen. Diese Werbemethode setzt jedoch voraus, dass

  1. die heutigen Einsatzkräfte wissen, dass sie werben sollen
  2. dass sie werben können
  3. dass sie mit ihrer Tätigkeit im Einsatzdienst so zufrieden sind, dass sie werben wollen

Alle drei Dinge müssen in Einklang gebracht werden. Dies bedeutet, dass zunächst eine ehrliche Personalbestandsanalyse durchgeführt werden muss und ein Personalbedarf heute oder zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt festgestellt und offen kommuniziert werden muss. Dann müssen die heutigen Einsatzkräfte dazu in die Lage versetzt werden, auch werben zu können. Sie müssen also Material an die Hand bekommen das ihnen Hinweise gibt, in welche Richtung die Werbung gehen soll, mit welchen Argumenten geworben werden kann, welche Fakten im Rahmen der Werbung vermittelt werden sollen. Wichtig ist die Ehrlichkeit gegenüber den potentiellen neuen Mitgliedern. Es bringt nichts, neue Mitglieder unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen beispielsweise im Bezug auf den Zeitaufwand den der Dienst in der Feuerwehr mit sich bringt zu ködern. Und natürlich müssen die Einsatzkräfte, die heute bereits Dienst leisten, auch ein positives Bild von ihrer Tätigkeit zeichnen können und wollen, damit ein nachhaltiger und werbender Effekt entsteht.

Dennoch halte ich diese Möglichkeit für wesentlich effizienter, als irgend welche schicken, kampagnenartigen Massenwerbungen, die zwar mit der Hilfe von Werbeagenturen erstellt werden, aber überwiegend wirkungslos verpuffen. Wir haben in Deutschland nach den Statistiken des Deutschen Feuerwehrverbandes etwas über 1 Million ehrenamtliche Einsatzkräfte in den Feuerwehren. Wenn nur jeder zweite davon einen Freund, Verwandten, Bekannten oder Kollegen davon überzeugen kann, ebenfalls in der Feuerwehr Dienst zu leisten, würde dies einen zusätzlichen Bestand von 500.000 Einsatzkräften bedeuten …

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